Anakoluth # 12 „Schlaufen“

Vernissage am 17. September um 16:30 – Ausstellung vom 21.9. bis 24.12.16

Ulrike Isensee, Fadenschals

Andreas My, Skulpturen

Ulrike Isensee und Andreas My arbeiten mit vielen Abschnitten oder Stücken eines Materials, die wieder zusammengesetzt werden. Es entstehen dabei ganz neue Objekte, die sich mit der Materialität auseinandersetzen und ästhetisch überraschen.

      Ulrike Isensee ist preisgekrönte Handweberin aus Hamburg, die mit diversen textilen Materialien – Leinen, Seide, Filz und Garnen-experimentiert. Es entstehen Schalobjekte und Loops, die filigran und verspielt, effektvoll und doch tragbar sind. Spezielle Techniken, die industriell nicht einsetzbar sind, machen jedes Stück zu einem exklusiven Unikat. Die durchbrochenen Fadenschals und Loop-Schlaufenschals sind echte „Hingucker“ und werden wie textile Schmuckstücke getragen.

         Andreas My nutzt Wellpappe, die in feine, kurze Streifen zerschnitten und zu komplexen Schlaufengebilden neu zusammengesetzt werden. Er definiert seine Werke als Zeichnungen im Raum, die sich in Kombination von Linie und Materie entwickeln. Durch die sortierte Verwendung der feinen Pappstreifen entstehen in der Farbigkeit unterschiedliche Plastiken, die in der frontalen Sicht die graubraunen Schnittflächen betonen und von der Seite teilweise starke, teilweise gedeckte Farben aufweisen.

Andreas My: „…..In meinen Arbeiten gehe ich von der Idee der Linie im Raum aus. Die Linie als Grenze eines Raumes, der erst definiert wird. Die Linie, die gleichzeitig auf die Unendlichkeit des Bildraumes weist.
Es sind Linien, die wie ein Gerüst, eine Vorstellung, langsam aufbauen und dann ganz konkret einen Körper oder einen Raum bestimmen können, als Zeichnung auf einer Fläche, auf einem Papier oder als Material im realen Raum.
Eine Ansammlung von rechtwinklig geschnittenen Streifen aus farbig bedruckter Wellpappe, ursprünglich Verpackungsmaterial, wird zu einem geeigneten Baustoff für die Idee der Linie und der Frage nach ihrer Substanz im Raum.
Nach Farben sortiert oder nach dem Zufallsprinzip gesammelt, werden die Pappstückchen, der Baustoff, zu neuen Objekte, Skulpturen und Installationen verklebt.
Wie eine zweite Natur, wie die Blätter, Ästchen und Stöckchen der Bäume in einem Wald, die fast unendlich und zu jeder Zeit zu Verfügung stehen, entsteht aus Wellpappe, eine Formenwelt, die alle Eigenschaften untersuchend, zu neuen Bildern und Formen führt. ……“

 

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„Andreas My erzählt, wie er zu Aldi oder Lidl geht, wo er das Material für seine Objekte holt. Es sind übliche Lebensmittelkartons, in bunten Farben, die er dann zerschneidet, um sie mit Weißleim zu verarbeiten. Er erzählt, dass er in seiner Kindheit in Süditalien, in Apulien, Häuser gesehen hat, sogenannte Trulli, die als Rundbau angelegt sind und aus Trockenmauerwerk ohne Mörtel errichtet werden.
Ich stelle mir vor, wie der erste Stein gelegt wird (ein Punkt wird gesetzt),
wie dann in geduldiger Arbeit Stein an Stein gelegt wird , zu einem rund gebogenen Umriss (eine Linie entsteht), um dann langsam in die Höhe zu wachsen (eine Fläche wächst),
bis hin zu einer räumlichen Form (Raum entsteht). 3 D. „  Karin Schlechter

Andreas My
geboren 1961 in Waiblingen
1984-92 Studium der Freien Grafik und Malerei bei Prof. S. Wewerka und Prof J. Immendorff, Fachhochschule Köln

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Einzelausstellungen (Auswahl): 2015 ZOOM, mit Margarete Lindau, Galerie Hafemann, Wiesbaden;
 2013raum zeichen, mit Eileen Dreher, im Turm, Lutherkirche, Köln; 2012 
TEKTONIK, das fenster, Köln
; 2009 Zeichnung, Installation, Objekte, mit Kathrin Sehl, BBK, Köln
; 2007 Objekte, Kunstraum 28|30, Köln
; 2001 Fadenscheiniges, Galerie Berners, Köln
; 1998 Privat, Eva Schad, Berlin
; 1995 Installation und Skulptur, Brühler Kunstverein, Orangerie von Schloß Augustusburg, Brühl
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2016 ACHTUNG KULTURGUT, die Sammlung Kunst aus Papier, Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach; 2015 Kunstpreis 2015, KunstWerk Köln e.V., Köln; 2014
Stückwerk, mit Matthias Stuchtey, Matthias Surges, Kunstraum t27 , Berlin;
2013 
Dialog-Trialog, mit Margarete Lindau u. Eva Borsdorf, Museum Biedermann, Donaueschingen;
2012 less is more, KUNSTKONTOR Galerie Ulf Larsson, Köln;
KUNST VOR ORT, mit Claudia Betzin, Helga Mols, Michael Wittassek,
Städtischen Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach; 2011
Die? Kunst Männersache!, HerderRaumFürKunst, Köln; 
Knüller, Falter, Reisser, 25 Jahre Sammlung Kunst aus Papier, Städtische Galerie Villa Zanders,Bergisch Gladbach; 2008 Eingefädelt – fünfzehn Künstler und der Faden, Museum Zündorfer Wehrturm, Köln

www.andreasmy.de

 

Ulrike Isensee: “Farbe, Komposition und Struktur beschäftigten mich in meinem Kunststudium. Ausgedehnte Studienreisen, besonders durch Mexiko, inspirierten mich.
Ich war begeistert von den leuchtenden Farben und der Webkunst.
Bei der Ausbildung am Handwebstuhl lernte ich dann, meine Ideen in Gewebe umzusetzen.
Bald begann ich das Raster der Rechtwinkligkeit, die dem Webprozeß zugrunde liegt, zu durchbrechen. Das Resultat: Schals, die wirken, als würden sie aus eingefangenen Fäden bestehen, luftige Gebilde, die an die Gemälde von Jackson Pollock erinnern.
Diese Kreationen, die sich durch ungewöhnliche Verarbeitung, wertige Materialien und ein fein komponiertes Farbspektrum auszeichnen, sind tragbare Kunst – art to wear.”

Textilkunst International: “Alle Ihre Werke verbinden die gegensätzlichen Aspekte ihrer Arbeit und erst diese verborgene Spannung lässt sie zu Kunst, zu tragbaren Kunstobjekten werden.”
Hamburger Abendblatt: Voll im Stoff
„Ulrike Isensee verbindet Stoffteile, etwa aus Seide, mit Fäden und näht sie luftig zusammen. Am Ende gleichen die Schals einem kleinen Fischernetz, in das sich bunte Teile verfangen haben. „Das macht sonst niemand“, sagt die Weberin.“
Textilforum: Kunstvolle Gebrauchsgegenstände “Die Künstlerin wurde kürzlich zur Trägerin des Justus-Brinckmann-Preises gekürt und erhielt den Bochumer Designpreis 2004 für ihre unorthodoxe Arbeitweise und mutige Farbgestaltung.”

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Ulrike Isensee
1973-79 Studium an der Hochschule für Bildende
Künste und an der Universität Hamburg,
1. Staatexamen
1981-83 Ausbildung zur Handweberin in Hamburg,
Gesellenprüfung
1983 Gründung einer eigenen Werkstatt
1992 Meisterprüfung

Preise und Auszeichnungen:

1992 Förderpreis der HWK Hamburg
1995 Hessischer Staatspreis für das Deutsche
Kunsthandwerk
2004 Bochumer Designpreis
2004 Preis der Justus Brinkmann Gesellschaft
2009 Kunstverein Seide Preis
2011/13 Nominated for the WCC-Europe-Eunique Award
2014 Lotte Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst

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www.ulrike-isensee.de

 

Vernissage am 17.09.2016