Anakoluth #7 „All about Greece“

Vernissage am Freitag, den 11. 09. 2015 um 18:30 Uhr

Ausstellung vom 12. 09.  bis 14. 11. 2015

Maria Rigoutsou – Ikonen der Krise

Birgit Rüberg – Rough Seas

Despina Iossifelli – Keramik aus Lesbos

 

Maria Rigoutsou – Ikonen der Krise

Die Bilderserie „Ikonen der Krise“ von Maria Rigoutsou ist anlässlich der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise in Griechenland entstanden, hinter der sich jedoch eine tiefere Wertekrise verbirgt. Es handelt sich um Werke, deren Grundierung auf alte byzantinische Ikonen verweist. Im Vordergrund sind aber keine Heiligen dargestellt, sondern die Dinge, die uns heute heilig sind: Euro, Banken, Ratingagenturen. Die „Religion“ des Geldes ist eine globale. In den „Ikonen der Krise“ werden darüber hinaus Titelbilder von Zeitungen und Zeitschriften aufgegriffen, die – wie die Bildzeitung etwa – einen Keil zwischen Deutsche und Griechen getrieben haben. Auch das Thema Konsumwahn und Fetischismus und die Reaktion der Menschen auf die Krise in Demonstrationen und Protestaktionen finden darin ihren Ausdruck. Die „Ikonen der Krise“ zeigen auch – zum Teil konkret, zum Teil abstrakt – Gesichter, in denen sich Armut und Verelendung spiegeln.

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Besonders interessant ist die aufwendige und vielschichtige Technik, die bei der Entstehung der Kunstwerke zum Einsatz kommt. Die Künstlerin stellt zunächst einmal – aus der Presse stammende oder selbst aufgenommene – Fotografien zusammen. Diese werden digital bearbeitet und auf eine spezielle, mit Blattgold bearbeitete Leinwand gedruckt. Danach erfolgt die künstlerische Bearbeitung. Die Blätter, die nicht aus echtem Gold sind, spiegeln eine Welt des „Scheins“ wider, während die dunklen Risse dazwischen an kleine Wunden erinnern. Die Arbeiten sind zum Großteil zwar Reproduktionen, aber gleichzeitig Unikate, da jede Grundierung, auf die gedruckt wird, einzeln per Hand vorgenommen wird.

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Maria Rigoutsou studierte Malerei in der Klasse von Jannis Kounellis an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie lebt z.Zt. in Köln und zeigt ihre Arbeiten in regelmäßigen Ausstellungen im In- und Ausland.             www.mariarigoutsou.de

 

Birgit Rüberg – Rough Seas

Die Arbeiten basieren auf Recherchereisen der Künstlerin zur griechischen Insel Lesbos. Dort hat sie ab 2009 das Material gesammelt und in ihre Arbeit integriert. Die Nordküste der Insel ist nur ca. 9 Kilometer von der Türkei entfernt und seit vielen Jahren eine der Hauptrouten von Flüchtlingen aus dem nahen Osten und Nordafrika. In Schlauchbooten versuchen die Menschen Europa zu erreichen. Am Strand ziehen sie die von der Überfahrt nasse Kleidung aus und lassen die von den Schleppern gestellten Schwimmwesten zurück. Das oft ausgebleichte, aufgeschnittene, zerfranste und verwitterte Material hat eine starke visuelle Präsenz.

Diese Fundstücke hat Birgit Rüberg in den Werken verarbeitet. Sie stickt Texte mit Metallicgarnen auf die Kleidungsstücke und montiert sie und andere gefundene Materialien (wie ein  Kunststoffschuh, eine Kinderschwimmweste, eine handgestrickte Socke, Bootsteile und -seile) in kleine, dunkle, längliche  Holzkästen. Sie muten wie kleine Särge an.

Die meisten der gestickten Texte sind Zeitungsmeldungen aus Deutschland und aus der englischsprachigen griechischen Tageszeitung „Ekathimerini“. Die Künstlerin hat außerdem weitere Quellen für ihre Texte: so stammt z.B. das Gedicht „ What I Want“ von einem unbekannten Migranten, der dies auf der Internetseite BIRDS OF IMMIGRANTS im März 2010 gepostet hat. IMG_6594

 

Außerdem zeigt die Ausstellung noch die Serie „Reise ins Licht“ aus dem Jahr 2011/12. Fadenscheinige, abgenutzte Schwimmwesten schweben im Raum. Sie sind Zeugnis und Symbol der vorausgegangenen Nutzung und kommunizieren eine Aura von Angst, Not und Verzweiflung. Birgit Rüberg hat die gefundenen Rettungswesten mit Sprichwörtern aus drei europäischen Sprachen und comic-artigen Zeichnungen bestickt.

Das charakteristische Material Rübergs Arbeit sind gebrauchte Textilien wie Taschentücher, Bettwäsche, Kleidungsstücke oder Handtücher. Ihr Interesse gilt den Spuren und Bedeutungen vergangener Nutzung, die in diesen authentischen Materialien gespeichert sind. Diese greift sie auf und visualisiert sie.

„Ich besticke die Textilien mit Texten und Zeichnungen, bedrucke sie mit Collagen oder verändere vorhandene historische Stickereien und transformiere sie damit in die Gegenwart.“ (B. Rüberg) Durch diesen „Rettungsprozess“ – eine Art „Textil-Archäologie“- wird Vergangenheit präsent gehalten und bewahrt. Durch die Verknüpfung mit neuen, gegenwärtigen Kontexten werden die gespeicherten Inhalte erweitert und ergänzt.

Sie hat in Köln freie Kunst studiert und ihre Arbeiten in Museen, Kunstvereinen und Galerien im In- und Ausland ausgestellt.

www.birgit-rueberg.de

 

Despina Iossifelli – Keramik aus Lesbos

Despina Iossifelli entwirft und produziert ihre Studio-Keramik im kleinen Dorf Skala Eressos auf der Insel Lesbos. Dies ist ihre erste Ausstellung in Deutschland.

http://www.despinaiosifelli.gr