Anakoluth #4

 Kirsten Diez-Reinbeck : Raku-Keramik

und

Die Krefelder Grafik-Edition: 

Benjamin Dammeier, Alexandra Frohloff, Vera Ohmen,

Christina Schmetzke, Isabell Seemann, Robert Sydlik

Linolschnitt – Radierung – Holzschnitt – Lithografie

Ausstellung vom 27.03.15 – 17.05.15


diez-reinbeck

Die Keramik-Künstlerin Kirsten Diez-Reinbeck  hat in Kassel Kunst und in der Keramikklasse von Prof. Hans Dobe studiert.  Sie beschäftigt sich seit 2007 intensiv mit Raku-Keramik, hat bereits mehrere Preise erhalten und stellt ihre Arbeiten u.a. regelmäßig im Kunstmuseum Solingen aus.

Die Raku-Technik wurde vor ca. 450 Jahren in Japan entwickelt, das Wort Raku bedeutet Ruhe, Gelassenheit, Freude. Sie ist eng mit der Tradition der Tee-Zeremonie und dem Buddhismus verbunden. In Europa wurde die Raku-Technik nach 1920 vom Engländer Bernard Leach bekannt gemacht.

diez-reinbeck

Kirsten Diez-Reinbeck interessiert vor allem der Schwarz-Weiss Kontrast und die strukturierten Oberflächen, der alle ihre Arbeiten auszeichnet.
Die schönen Schalen, Dosen und Vasen aus der Atelier-Werkstatt von Kirsten Diez-Reinbeck sind ausdrucksstark und grafisch:
glatte, glasierte, helle Stellen mit unregelmäßigem Krakelee-Muster stehen gegen tiefschwarze, seidenmatt gewachste Stellen.

diez-reinbeckEingedrückte Blütenmuster, grafische Reihenstrukturen, feine Naturmuster in der dunklen Tonoberfläche grenzen an die hellen und glasierten Bereiche eines Stückes.
Die wunderschönen mattschwarzen Raku-Dosen ziert auf ihrem Deckel ein kleines, zartes Origami aus Porzellanpapier.

diez-reinbeck

Sie arbeitet mit hellem Steinzeug-Ton, den sie von Hand zu Gefässen und Schalen aufbaut. Deren Oberfächen gestaltet sie im Prägedruck: mit Stoffen, Spitzen, Keilriemen, Naturmaterialien und anderen Gegenständen, die sie in die noch weiche Oberfläche presst – so entstehen interessante Reliefs. Nach dem Trocknen werden die Stücke im Elektroofen zum ersten Mal gebrannt. Die Schwarzfärbung und die Krakeleebildung in den glasierten Teilen entsteht nach einem weiteren Brand im 1000 Grad heißen Gasofen, der 90 Minuten dauert. Die glühende Keramik wird mit Zangen herausgeholt und in eine Tonne mit Sägemehl gelegt, das sich durch die Hitze sofort entzündet. Durch den Temperaturschock entstehen die kleinen Risse in der Glasur. Der Rauch in der Tonne lässt das charakteristische Schwarz entstehen, das sich auch in die Risse der Glasur setzt. Es können nur bis zu drei Teile auf einmal gebrannt werden, da jedes Teil viel Aufmerksamkeit beim Abräuchern erfordert.
Manches kann misslingen in diesem komplexen Prozess, und was nicht den hohen Ansprüchen der Künstlerin genügt, wird von ihr aussortiert.
Raku ist eine faszinierende und arbeitsintensive Technik, und jedes Stück ist ein Unikat. Nie gleicht eine Keramik der anderen.DSC_0312

Die feinen Arbeiten von Kirsten Diez-Reinbeck zu erleben, erzeugt Freude und Ruhe im Betrachter.

Die Krefelder Grafik-Edition der HS Niederrhein:

Benjamin Dammeier, Alexandra Frohloff, Vera Ohmen,

Christina Schmetzke, Isabelle Seemann, Robert Sydlik

Künstlerische Druckgrafik:
Linolschnitt – Radierung – Holzschnitt – Lithografie

Benjamin_Das Wohnzimmer oder Sie marschieren

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Studierenden der HS Niederrhein, die in der Druckgrafik-Klasse von Prof. Jochen Stücke und seinem Team gearbeitet haben. Die dort gestartete Krefelder Grafik-Edition hat das Ziel, die unterschiedlichen traditionellen künstlerischen Druckverfahren und ihre ästhetischen Möglichkeiten neben den modernen Medien zu vermitteln und zu bewahren. Das Projekt konnte sich innerhalb weniger Jahre in der Grafikszene mit seiner hohen Qualität einen herausragenden Namen machen.

Alexandra Frohloff_falling into the darkness

Die Krefelder Grafik- Edition

Als wir vor wenigen Jahren an der Hochschule Niederrhein die Krefelder Grafik- Edition gegründet haben, gab es verschiedene Gründe für diese Initiative. Die medialen Veränderungen, die taktgleich zu ihren Beschleunigungen einen rasant wandelnden Einfluss auf die ästhetische Vorstellungswelt einer jungen Generation haben, stellt auch die Lehre vor die Herausforderung, sich in diesen unüberschaubaren Zeitenwenden zu positionieren.
Die Entwicklung der drucktechnischen Verfahren, die von den frühen Hochkulturen mit einfachen Stempelprägungen begonnen wurde und heute von den scheinbar unendlichen Möglichkeiten des Digitalen beherrscht wird, ist eine spannende Geschichte der Erfindungen von Druckmaschinen, Trägerstoffen und Farbprodukten mit hochspezialisierten Eigenschaften. Viele Veränderungsprozesse wurden durch kontroverse Diskussionen begleitet, in denen sich Tradition und Erneuerung unversöhnlich gegenüber standen.
Doch mehr und mehr wird das Ersetzen von medialen Gestaltungsmitteln- unter Anerkennung quantitativer Verschiebungen- als Verlust und die Ergänzung der unterschiedlichen Druckmittel als Zugewinn betrachtet. Die modernen Medien sind in ihrer unglaublichen Anwendungsbreite, Schnelligkeit, und problemlosen Korrekturfähigkeit den traditionellen Techniken weit überlegen. Diese hingegen bieten Vorteile, die im Erfahrungshintergrund gut ausgebildeter Gestalter unverändert ihre Bedeutung haben. Denn Einblicke in die Unterscheidungsmerkmale von Papieren, die Qualitäten von Prägungen und Strukturbeschaffenheiten, die durch die klassischen Verfahren vermittelt werden, lassen Gestaltungsmöglichkeiten zu, die über die eingeschränkten Anwendungen des Laserausdrucks hinausgehen. Die Kombination der unterschiedlichsten Drucktechniken bietet der heutigen Generation Optionen, die bisher noch nicht im vollen Umfang ausgeschöpft sind.

Christina_BegegnungI

Mit der Sammlung unserer Edition wollen wir die Entwicklung studentischer Druckgrafik an unserem Fachbereich dokumentieren. Aber unser Projekt widmet sich nicht lediglich der Pflege ästhetischer Ausdrucksformen. Durch Messeauftritte, Ausstellungen in Galerien und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sind wir in der Grafikszene in Deutschland präsent.
Unsere Absicht, die Studierenden auch an die Strukturen des Kunstmarktes heranzuführen, wird durch Verkäufe und ein großes Interesse an unserer Arbeit bestätigt.

Isabelle_Im Ei II

Die Anfänge der künstlerischen Druckgrafik reichen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Seither hat sie so manchen Sturm überstanden. Und auch heute wird vollmundig ihr endgültiges Ende oder ihre großartige Wiedergeburt verkündet. Die Diskussion, was sie an Qualitäten aus ihrer vielfältigen Geschichte im zukünftigen Kulturbetrieb behaupten kann ist müßig.

Wir halten uns lieber an die Möglichkeiten der Gegenwart. Und die sehen nicht schlecht aus. In zahlreichen Ausstellungen präsentieren wir Radierungen, Siebdrucke, Lithographien, Linol- und Holzschnitte, die einen jeweils aktuellen Einblick in die Krefelder Grafik-Edition gewähren.

Die Hingabe der Studierenden an die traditionellen Druckverfahren, ihre Experimentierfreude und Ausdruckskraft wurde bereits durch zahlreiche positive Rezensionen und ein großes Publikumsinteresse in Frankfurt, Hamburg, Madrid, Leipzig und anderen Orten belohnt.

 Wir machen weiter.



Prof. Jochen Stücke

Marco Henkenjohann – Werkstattleiter Künstlerische Druckgrafik


Alexandra Frohloff  – Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Vernissage